Der Umgang mit dem Blindenstock

Unverzichtbare Geh(h)ilfen:
Vom Umgang mit den Blindenstöcken

In Deutschland gibt es WHO-Schätzungen zufolge mehr als eine Million Menschen, die blind sind oder unter einer Sehbehinderung leiden. Um diesen Personen wieder ausreichend Sicherheit und Selbständigkeit im Alltag zurückzugeben, entwickelte ein findiger Mann namens Richard Hoover im Jahre 1945 den ersten Blindenstock. Mit Hilfe dieser ausgeklügelten Konstruktion können nicht nur gefährliche Hindernisse erkannt und Abstände bestimmt werden, sondern mit einer gewissen Übung sogar dreidimensionale Umgebungsbilder im Gehirn entstehen. Die wichtigsten Techniken im Umgang mit diesen unverzichtbaren Alltags-Geh(h)ilfen finden Sie hier.

Aufspüren und Abmessen: Die Pendeltechnik

Bei der Pendeltechnik wird der Langstock über dem Boden rhythmisch hin- und hergeschwungen. Dies dient vor allem dazu, Hindernisse zu bemerken und Abstände zu Bordstein oder Wänden zu messen. Das Stockende ertastet sich praktisch einen "freien Weg". Doch auch hinsichtlich anderer Passanten ist diese Methode wichtig: Diese erkennen sofort einen Menschen mit Sehschwäche und können gegebenenfalls ausweichen und in schwierigen Situationen auch behilflich sein.

Aus Notwendigkeit zum Detail: Die Schleiftechnik

Die Schleiftechnik funktioniert ganz ähnlich wie die Pendeltechnik und ist sozusagen ihr kleinerer, aber feinerer Bruder. Der große Unterschied zum Pendelverfahren: Die Schritte des Benutzers sind kleiner und der Stock selbst streift direkt über den Boden. Dies erlaubt das Aufspüren unscheinbarer Orientierungspunkte und Bodenübergänge, die für blinde Menschen schnell zu Stolperfallen werden können. Auch bei Blindenleitsystemen findet diese Technik Verwendung.

Bei der Pendeltechnik wird der Langstock hin- und hergeschwungen Bei der Pendeltechnik wird der Langstock hin- und hergeschwungen
Bei der Doppelpunkttechnik wird ein weiterer Ausschlag zur Seite ausgeführt Bei der Doppelpunkttechnik wird ein weiterer Ausschlag zur Seite ausgeführt

Mehr als nur ein Weg: Die Doppelpunkttechnik

Bei der Doppelpunkt-Technik kommt noch mehr Schwung in die Sache: Der Langstock wird vom Benutzer wie gehabt pendelartig hin- und hergeführt, doch es erfolgt noch ein weiterer kleiner Ausschlag zur Seite hin. Der Grund für diese zusätzliche Handbewegung: Dem Passanten wird nicht nur der freie Weg angezeigt, sondern auch alle Dinge rechts und links davon. Dies dient letztendlich der besseren Orientierung und hilft dem blinden Menschen dabei, ganz allmählich ein vertrauteres Bild der Umwelt zu erhalten.

Damit sich die richtigen Türen auftun: Die Diagonaltechnik

Die Diagonaltechnik ist eine ganz spezielle Suchtechnik. Der Stock wird dabei diagonal gehalten und streift an Mauern oder Hauswänden entlang. Meist wird diese Art der Stockbewegung eingesetzt, um Türen, Öffnungen oder Ecken aufzuspüren.

Höhen und Tiefen beherrschen: Die Treppentechnik

Die Treppentechnik ist ein spezielles Bewegungsverfahren für die Anwendung auf Treppen jeglicher Art. Der Benutzer hält den Langstock locker in der Hand und tippt mit diesem dann Stufe für Stufe an. So lassen sich auf einfache Weise Abstände, Stufenhöhen und das Ende der Treppe bestimmen.

Die richtige Stocktechnik ist vor allem im Straßenverkehr unerlässlich Die richtige Stocktechnik ist vor allem im Straßenverkehr unerlässlich

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