Die Geschichte von Louis Braille

Die Geschichte von Louis Braille -
ein Junge verändert die Welt

Jedes Jahr seit 2001 wird am 4. Januar ein wenig beachteter, doch sehr wichtiger Gedenktag begangen: der Welt-Braille-Tag. Die sogenannte Braille-Schrift ermöglicht blinden und sehbehinderten Menschen das Lesen. Ein Raster mit sechs Punkten, welche, in das Papier geprägt, mit dem Finger erfühlt werden, bildet die Grundlage für das System. Bei der Braille-Schrift handelt es sich um ein Alphabet-System: verschiedene Punkt-Kombinationen bilden die jeweiligen Buchstaben.

Doch woher kommt diese Schrift und wer entwickelte sie?

Tatsächlich wurde die Schrift nach ihrem Erfinder benannt: einem Franzosen namens Louis Braille. Er wurde am 4. Januar 1809 in einem kleinen Dorf namens Coupvray in der Nähe von Paris geboren. Durch einen Unfall in der Sattler-Werkstatt seines Vaters verlor der erst dreijährige Louis sein Augenlicht, erst auf dem rechten, dann auf dem linken Auge. Bereits zwei Jahre später war er vollkommen erblindet.

Damit Louis die Schule besuchen konnte, brachte ihm sein Vater durch auf Holz geschlagene Tapeziernägel das Alphabet bei. Louis war ein aufgeweckter und kluger Schüler, und im Jahr 1819 schickten ihn seine Eltern auf das im nahen Paris gelegene "Königliche Institut für junge Blinde". Dort lernte er die von Hauptmann Charles Barbier entwickelte "Nachtschrift" kennen. Ursprünglich als Geheimcode für den Einsatz in der Armee entwickelt, bildete die Nachtschrift nicht Buchstaben, sondern Laute ab.

Louis verbesserte und vereinfachte das komplizierte Konzept Barbiers. Aus der Nachtschrift mit ihren 36 französischen Lauten, dargestellt durch 16 auf dem Papier erhabene Punkte, wurde eine Alphabet-Schrift mit nur sechs Punkten. Die von dem damals erst 16-jährigen Jungen entwickelte Blindenschrift hatte den Vorteil, dass sich alle Buchstaben und Zeichen mit nur einer Fingerbewegung ertasten ließen. Dies war bei dem Konzept der Nachtschrift nicht möglich.

Louis Braille hat die nach ihm benannte Schrift bereits im Jahre 1809 entwickelt Louis Braille hat die nach ihm benannte Schrift bereits im Jahre 1809 entwickelt
Mittels der Braille-Schrift können auch Zahlen, Satzzeichen und Musiknoten gelesen werden Mittels der Braille-Schrift können auch Zahlen, Satzzeichen und Musiknoten gelesen werden

Mit der von Louis Braille entwickelten Schrift konnten nicht nur Buchstaben, sondern auch Zahlen, Satzzeichen und sogar Musiknoten dargestellt werden. Leider setzte sich dieses System zuerst nicht durch - Louis' Schuldirektor verbot die Blindenschrift. Der Direktor war der Meinung, dass eine Schrift, die Sehende nicht lesen könnten, die Blinden nur weiter isoliere. Louis Braille arbeitete nach seiner Schulzeit als Lehrer am Institut und kämpfte lebenslang für die Anerkennung seiner Erfindung.

Dieser Wunsch erfüllte sich allerdings erst im Jahr 1850. Nach ihrer offiziellen Anerkennung wurde die Schrift fortan in Blindenschulen im ganzen Land unterrichtet. Die Brailleschrift trat bald auch ihren internationalen Siegeszug an - 1879 beispielsweise wurde sie in Deutschland eingeführt. Da der Buchstabe "W" in Louis Brailles Muttersprache Französisch nicht existiert, wurde dieser extra hinzugefügt.

Den weltweiten Erfolg seiner Erfindung konnte Louis Braille selbst nicht mehr miterleben. Seit jungen Jahren an Tuberkulose erkrankt, starb er im Jahr 1852.

Seit 1850 wird die Braille-Schrift in Blindenschulen unterrichtet Seit 1850 wird die Braille-Schrift in Blindenschulen unterrichtet

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