Carl Strehl

Carl Strehl

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Carl Strehl war ein einzigartiger Vorreiter, was die schulische und berufliche Bildung blinder Menschen anbelangt. Durch einen Unfall verlor Strehl in jungen Jahren unverhofft sein Augenlicht und kümmerte sich seither um Menschen, denen dasselbe Schicksal widerfahren ist. Der Höhepunkt seines Schaffens war schließlich die Gründung der Blindenstudienanstalt in Marburg (Blista) mit ihren zahlreichen Einrichtungen, Angeboten und dem einzigen Blindengymnasium Deutschlands, der sogenannten Carl-Strehl-Schule. Zudem können in der Blista mittlerweile zahlreiche zeitgemäße Berufe erlernt werden.

Kindheit und Jugend von Carl Strehl

Es ist nicht wirklich viel bekannt aus der frühen Zeit des späteren Wohltäters Carl Strehl. Zumindest eines ist wohl sicher: Geboren wurde er am 12. Juli 1886 in Berlin, demselben Jahr, in welchem die Freiheitsstatue aufgestellt wurde und der Bayerische Märchenkönig Ludwig II. unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. Strehl war der Sohn eines Mannes, der bekannt dafür war, Theorie und Praxis immer miteinander in Einklang zu bringen: Carl Strehl senior, der sich sowohl als praxisorientierter Brandinspektor als auch als belesener Hochschuldozent einen Namen gemacht hatte. Als Strehls Vater in jungen Jahren verstarb, begann der damals schon recht eigenwillige Carl in Berlin eine Kadettenausbildung zu absolvieren und wechselte als Jugendlicher schließlich zur Seefahrt, bei welcher er als Matrose ein halbes Jahrzehnt die Weltmeere befuhr. Dies war durchaus prägend für ihn, erfreute er doch seine Zuhörer bis zu seinem Tode gerne mit alten Seemannsgeschichten.

Carl Strehl besuchte Ende des 19. Jahrhunderts die Kadettenanstalt Berlin Carl Strehl besuchte Ende des 19. Jahrhunderts die Kadettenanstalt Berlin
Carl Strehl lehrte blinden Menschen den Umgang mit der Schreibmaschine und der Blindenschrift Carl Strehl lehrte blinden Menschen den Umgang mit der Schreibmaschine und der Blindenschrift

Ein Betriebsunfall änderte sein Leben...

Nach der rastlosen Zeit auf den Ozeanen zog es den jungen Carl weiter durch die Welt, bis er schließlich seine neue Wahlheimat New York erreichte. Dort widmete er sich mit Herz und Seele seinen neuen Interessensgebieten, den technischen und chemischen Wissenschaften. Doch dann geschah das große Unheil: Durch einen Berufsunfall im Jahre 1907 erblindete Carl Strehl unverhofft, ein Umstand, der sein weiteres Leben in hohem Maße bestimmen sollte. Doch zunächst zog es den jungen Mann zurück nach Europa, um Sprachen zu studieren. Doch er wusste ganz genau: Damit alleine ist es in der Welt der Wissenschaft nicht getan. Er musste aufgrund der neuen Umstände nun ganz andere Dinge lernen… Carl Strehl schaffte es durch sein beeindruckendes Selbstwertgefühl, seinen Unfall zu verarbeiten und legte schließlich in der Hansestadt Hamburg die Reifeprüfung ab. Und in Strehl schlummerte noch immer der Tatendrang von früher: Der blinde junge Mann zog nach Marburg und studierte im Jahre 1914 Philologie und Volkswirtschaften. Doch es war auch das Jahr des Krieges und bald kümmerte sich Strehl um die ersten Kriegsblinden, die aus der Heimatfront zurückkehrten. Er brachte den verwundeten Männern als erstes das Lesen und Schreiben in Blindenschrift sowie den Umgang mit der Schreibmaschine bei.

Vom Wissenschaftler zum Wohltäter - Strehl gründet deutsche Blindenstudienanstalt Blista

Die damals wichtigste Leistung Carl Strehls war es aber wohl, den Betroffenen zu zeigen, dass man trotz Verlust des Augenlichts noch viel im Leben erreichen kann und ihm gelang es, den blinden Patienten immer wieder neue Hoffnung zu schenken. Doch Strehl wollte noch sehr viel mehr und fand mit seinen Vorhaben den richtigen Mitstreiter: Gemeinsam mit Alfred Bielschowsky, dem Direktor der Augenklinik in Marburg gründete er den Verein der blinden Akademiker Deutschlands und 1916 schließlich die Deutsche Blindenstudienanstalt Blista in Marburg. Dabei handelt es sich um eine weiterführende Schule, die auf blinde sowie sehbehinderte Menschen spezialisiert ist und verschiedenste Bildungsabschlüsse anbietet. Zunächst jedoch stand für die Blista die Eingliederung der Kriegsblinden in das Arbeitsleben und das Nachholen von Schulabschlüssen im Vordergrund, was mittels ganz besonderer Lernmaterialien verwirklicht wurde. Nach und nach wurde die Blindenstudienanstalt in Marburg zu einer zentralen Institution, die heute mit modernsten Methoden arbeitet.

Dank der Blindenstudienanstalt Blista konnten blinde Menschen ganz normale Schulabschlüsse nachholen Dank der Blindenstudienanstalt Blista konnten blinde Menschen ganz normale Schulabschlüsse nachholen
Zu den vielfältigen Angeboten der Blista gehört auch der regelmäßige Schüleraustausch mit anderen Ländern Zu den vielfältigen Angeboten der Blista gehört auch der regelmäßige Schüleraustausch mit anderen Ländern

Das moderne Erbe von Carl Strehl

Im Laufe der Jahrzehnte wurde Strehls neue Institution in Marburg zu einer internationalen Einrichtung, die mittlerweile zu den bedeutendsten in ganz Europa gehört. Heute sorgt die Blista mit ihrem kompetenten Fachpersonal dafür, dass blinde und sehbehinderte Menschen je nach ihren Fähigkeiten und Interessen gefördert und weitergebildet werden, soziale Integration erfahren und im offenen Austausch mit dem gesellschaftlichen Umfeld stehen. Zu den vielfältigen Angeboten für blinde Menschen gehören unter anderem die Ermöglichung von Schulabschlüssen, Berufsausbildungen sowie umfassende Beratung und Rehabilitationsmaßnahmen. Zudem gehört der Schüleraustausch mit verschiedenen Ländern zu den ganz besonderen Leistungen der Marburger Blindenstudienanstalt. Inklusion und Integration stehen dabei immer im Fokus der hessischen Institution. Dies ist wohl am Besten im innovativen Wohnkonzept der Blista zu sehen: Die Schüler wohnen nicht in einem abgeschlossen Bereich des Blista-Geländes, sondern in kleineren Wohngruppen inmitten der Marburger Innenstadt. So haben es die jungen Leute zu keiner der städtischen Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten wirklich sehr weit und es wird auf ganz natürliche Weise der richtige Umgang mit den körperlichen Einschränkungen trainiert.

Die Carl-Strehl-Schule der Blista wird zum ersten Gymnasium für blinde Schüler

Ein ganz normales Gymnasium für blinde Schüler? Was in der Welt der Bildung bisher undenkbar erschien, ist im Jahre 1978 verwirklicht worden: Mit der Carl-Strehl-Schule entstand das erste und bisher einzige deutsche Gymnasium, das voll und ganz auf blinde und sehbehinderte Menschen zugeschnitten ist. Dem Unterricht liegt dabei nichts anderes als die Lehrpläne des Landes Hessen zugrunde. Sehr schön auch der Aufdruck auf den Schul-T-Shirts: "Andere sehen, WIR haben den Durchblick!" Doch mit dem Abitur macht die Blista noch lange nicht Halt: Mittlerweile sind zahlreiche Fachoberschulen, Fachlehrgänge und Weiterbildungen hinzugekommen, was den jungen Menschen eine Vielzahl neuer Berufsmöglichkeiten bietet. In der FOS Gesundheit können sich Schüler zum Gesundheitsmanager oder Physiotherapeuten ausbilden lassen, in der FOS Sozialwesen werden pädagogische Berufe geschult, in der FOS Wirtschaft kaufmännische Inhalte für das spätere Berufsleben vermittelt.

Die Schüler der Blista können heute unter vielen verschiedenen Ausbildungsgängen wählen Die Schüler der Blista können heute unter vielen verschiedenen Ausbildungsgängen wählen
Die Blista bietet unter anderem auch zahlreiche Ausbildungen für IT-Berufe an Die Blista bietet unter anderem auch zahlreiche Ausbildungen für IT-Berufe an

Blinde IT-Fachleute? Dank der Blindenstudienanstalt Blista in Marburg kein Problem!

Ein Meilenstein in der Geschichte der Carl-Strehl-Schule in Marburg ist zweifelsohne die Möglichkeit einer professionellen IT-Ausbildung für blinde und sehbehinderte Menschen. Ob Informatikkaufmann oder Fachinformatiker mit dem Schwerpunkt Systemintegration - in der Blindenstudienanstalt Blista stellen selbst solch ungewöhnliche Betätigungsfelder und Bereiche der Bildung inzwischen kein Problem mehr dar. Seit kurzem wurde auch die Möglichkeit eingeräumt, eine Ausbildung als Assistent für das Fremdsprachensekretariat zu absolvieren. Wie sich die hessische Stadt Marburg auf die Blista inzwischen eingestellt hat, ist deutlich an der Infrastruktur und den Einrichtungen des Straßenverkehrs rund um die Blindenstudienanstalt zu sehen: Jede einzelne Ampel in der Innenstadt ist ausgestattet mit Berührungssensoren und akustischen Signalen.

Sport und Freizeitgestaltung in der Blista

Doch die Blista sorgt keineswegs nur für die geistige Erziehung blinder Menschen, sondern bietet auch zahlreiche Sport- und Freizeitaktivitäten an. So finden sich in der "Sehgeschädigten Sportgemeinschaft" Disziplinen wie Schwimmen, Leichtathletik oder Judo. Ergänzt wird das Freizeitprogramm mit verschiedenen Arbeitskreisen, die sich von Theaterspiel über Musikgruppen bis hin zu Politik- und Umweltausschüssen erstrecken. Die Carl-Strehl-Schule konnte sich ganz nebenbei auch schon mehrfach über die Auszeichnung "Umweltschule in Europa" erfreuen. Sicherlich zu Recht, denn auf dem Gelände der Blista finden sich Photovoltaik- und Heizkraftwerkanlagen ebenso wie ein spannender Energielehrpfad, der über regenerierbare Rohstoffe Auskunft gibt.

Schwimmen ist nur eine der lukrativen Freizeitmöglichkeiten, die auf dem Gelände der Blista angeboten werden Schwimmen ist nur eine der lukrativen Freizeitmöglichkeiten, die auf dem Gelände der Blista angeboten werden

Zusammenfassung:

  • Carl Strehl ist der Begründer der Blindenstudienanstalt Blista in Marburg
  • Durch einen frühen Unfall verlor Strehl sein Augenlicht und half seitdem anderen blinden Menschen
  • Sehbehinderten und Blinden war es nun möglich, in der Blista ihre Schulabschlüsse nachholen
  • Nach und nach kamen in der Blindenstudienanstalt weitere Ausbildungsgänge und Fachrichtungen hinzu
  • Die Blista beherbergt heute das einzige Blindengymnasium Deutschlands
  • Neue Fachrichtungen in der Blista sind in den Fachgebieten Pädagogik, Informatik und Fremdsprachen entstanden
  • Auch in den Bereichen Sport, Freizeit, Umwelt und Energie hat die Blista inzwischen eine Vorbildfunktion

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