Reha für Sehbehinderte und Blinde

Reha für Sehbehinderte und Blinde

Alle sehbehinderten und blinden Menschen haben ein Anrecht auf Rehabilitation, die den Betroffenen ein möglichst unabhängiges und selbstbestimmtes Leben ermöglicht. Dieser Anspruch bezieht sich auf eine "Elementarrehabilitation": ihre Maßnahmen sind dazu da, einer ansonsten drohenden Pflegebedürftigkeit entgegenzusteuern.

Gründe für die Reha sind psychischen Ursprungs

Bei immer größer werdender Sehbehinderung oder plötzlicher Erblindung kommt es häufig zu einer extremen psychischen Belastung. Vor allem die Hilflosigkeit und das Angewiesensein auf Hilfe von außen sowie die geringe Orientierungsmöglichkeit setzen Betroffenen zu. Meist steht die psychische Belastung auch im Zusammenhang mit dem Verlust der Arbeit und der daraus resultierenden Existenzangst. Selbst einfache tägliche Aufgaben wie Körperpflege, Anziehen, Essenszubereitung und -verzehr nagen am Selbstbewusstsein vieler Erblindeter. Sowohl die schriftliche als auch die mündliche Kommunikation wird extrem erschwert, da ein auf den Tastsinn ausgerichtetes Schriftsystem verwendet werden muss und oft kein Blickkontakt mit dem gegenüber aufgebaut werden kann.

Blinde Menschen sind gerade im Anfangsstadium der Blindheit stark auf Hilfe angewiesen Blinde Menschen sind gerade im Anfangsstadium der Blindheit stark auf Hilfe angewiesen
Mit einem gezielten Orientierungstraining ist es möglich, Betroffene wieder zu mobilisieren Mit einem gezielten Orientierungstraining ist es möglich, Betroffene wieder zu mobilisieren

Bestandteile einer Elementarrehabilitation

Vor allem die ausführliche Beratung hinsichtlich Hilfsmitteln und deren Gebrauch sowie die Mobilitätsgewinnung stehen neben psychosozialer Unterstützung im Vordergrund. Durch gezieltes Orientierungs- und Mobilitätstraining kann der Betroffene wieder mobilisiert werden. Als Hilfsmittel kommen dabei Sehhilfen, Blindenführhunde oder der Blindenlangstock zum Einsatz. Im Mobilitätstraining werden Begleitertechniken vermittelt und die anderen Sinne, sprich Gehörs-, Tast- und Geruchssinn werden intensiv geschult.

Lebenspraktische Fähigkeiten

Auch die Vermittlung von lebenspraktischen Fähigkeiten im Bereich Körperpflege, Kleidung, Essenszubereitung und Nahrungsaufnahme gehören in das Reha-Programm. Die Betroffenen kommen mit Techniken in Berührung, die beim Verrichten täglicher Aufgaben Anwendung finden: Sei es die Rasur oder die Kleiderauswahl am Morgen, das Kochen und Essen mit Besteck oder das Zähneputzen am Abend - alle Abläufe sollen weitgehend selbstständig vom Blinden ausgeführt werden.

Kommunikations- und Organisationstechniken

Im Vordergrund steht beim Erlernen von Kommunikationstechniken vor allen Dingen das Schreiben, denn durch die eigenhändige Unterschrift bleibt man geschäftsfähig. Auch die Benutzung der Blindenschrift kann hilfreich sein, um selbstständig lesen zu können. Auch bestimmte Ordnungsstrukturen wie die systematische Markierung von Gegenständen durch abtastbare Merkzeichen sollten Betroffene sich einprägen, um beispielsweise den "Überblick" im Kleiderschrank nicht zu verlieren.

Hilfsmittel zur Unterstützung im Alltag

Trotz geringen Sehvermögens gibt es einige nützliche Helfer für sehbehinderte Menschen, die den Alltag wesentlich erleichtern können. Dazu gehören neben sprechenden Küchenutensilien wie Waagen, Eieruhren oder Getränke-Füllstandsanzeigern auch Hilfsmittel wie sprechende Thermometer oder spezielle Münzsortierer. Auch Farberkennungsgeräte könne für Blinde eine große Hilfe sein.

Blindenhunde werden nicht selten zu lebenslangen Gehilfen der Betroffenen Blindenhunde werden nicht selten zu lebenslangen Gehilfen der Betroffenen

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